Influencer Relations im Tourismus: Kristine Honig-Bock im Interview

Kristine Honig-Bock spricht im Interview über Influencer Relations in der Tourismusbranche. Ein Fachbeitrag sowie eine Experten-Interviewrunde zu diesem Thema sind im Newsletter TOURImag 01/2016 erschienen.

Wie wichtig sind Influencer Relations Ihrer Meinung nach für Tourismusunternehmen?

Influencer Relations sollten mittlerweile ein normaler Bestandteil im gesamten Kommunikationsmix eines Unternehmens sein. Aber: An erster Stelle gehören die eigenen Kanäle wie Website, Blog und Social-Media-Präsenzen auf Vordermann gebracht.

Was sind aktuelle Trends im Bereich Influencer Relations speziell im Tourismussektor? Welche Formate/Kanäle sind gerade besonders beliebt, wo geht die Entwicklung hin?

Viele touristische Unternehmen setzen aktuell auf das Format Bloggerreise. Dieses würde ich allerdings nicht zu Influencer Relations zählen, da es sich hierbei weniger um den Aufbau langfristiger Beziehungen handelt, sondern meist nur um punktuelle, voneinander losgelöste Aktivitäten. Mittlerweile geht der Fokus im Tourismussektor jedoch deutlich breiter. So werden Blogger nicht nur einfach auf eine Bloggerreise eingeladen. Stattdessen gibt es konkrete Aufträge, Content zu liefern. Seien es Videos für den Youtube-Kanal des Unternehmens, Blogbeiträge für dessen Blog etc. Gerade im visuellen Bereich von Fotos und Videos wird die Unterstützung von Influencern gesucht – vor allem, weil hier innerhalb der Unternehmen meist kein eigenes Know-how vorhanden ist. Außerdem gibt es vermehrt Kooperationen, in denen der Influencer als Markenbotschafter für das Unternehmen auftritt, und zwar über verschiedene Aktionen und Kanäle sowie einen längeren Zeitraum hinweg.

Hat sich Ihrer Erfahrung nach die Zusammenarbeit zwischen Influencern und Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Definitiv! Die Influencer tauschen sich sehr aktiv untereinander über ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig. Hierdurch professionalisieren sich die Influencer quasi gegenseitig. Gleichzeitig steigen hierdurch die Anforderungen der Influencer an die Unternehmen.Auch auf Unternehmensseite ändert sich einiges. Die ersten Erfahrungen mit Bloggern sind gemacht. Das Thema wird mittlerweile weniger „aufgeregt“, spontan und reaktiv angegangen, Unternehmen wird immer deutlicher, dass sie nur mit „Ich mag diese Person“ im Bereich der Influencer Relations nicht weit kommen und es auch hierfür eine klare Strategie geben muss.

Was muss ein Unternehmen beachten, um langfristige und gute Beziehungen zu Influencern aufzubauen?

An erster Stelle sollte immer stehen, dass das Unternehmen sich seiner eigenen Werte, Zielgruppen und Storys bewusst ist. Wissen die Unternehmen selbst nicht, wen sie eigentlich mit welchen Inhalten und welchen Kommunikationsformen erreichen wollen, dann lohnen auch keine Influencer Relations. Schließlich sollen letztere sich in den bestehenden Kommunikations- und Marketingmix eingliedern. Hierfür sind klare Kriterien nötig, was ein möglicher Influencer mitbringen muss und eine entsprechende Recherche und Auswahl.Zum Beziehungsaufbau gehört ebenso, nicht in kurzfristigen Aktionen zu denken, sondern gemeinsam Konzepte und Ideen zu entwickeln, wie der Influencer und das Unternehmen langfristig voneinander profitieren können. Eine gute Beziehung funktioniert nur, wenn man miteinander redet, sich austauscht. Gleiches gilt für die Beziehungen mit Influencern. Die Kommunikation miteinander – sei es via Social Media Kanäle aber auch persönlich – ist essentiell für funktionierende Blogger Relations.

Was machen Unternehmen im Bereich Influencer Relations häufig falsch, was ist verbesserungswürdig?

Oft fehlt eine ordentlich durchdachte Strategie für den Bereich der Influencer Relations. Außerdem wird oft nicht in Influencer Relations sondern in Blogger-Aktionen gedacht. Das heißt: Unternehmen geht es meist nicht um langfristige Beziehungen, sondern um punktuelle Aktionen. Hierdurch wird viel Potential verschenkt. Außerdem wird oft auf Blogger gesetzt, die dem Unternehmensmitarbeiter sympathisch sind. Doch nicht jeder mit einem Blog kann tatsächlich andere Menschen begeistern und überzeugen. Es gilt also, die tatsächlichen Influencer für das eigene Thema/ Produkt zu identifizieren.

Können Sie mir ein Best-Practice-Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen einem Tourismusunternehmen und einem Influencer nennen?

Der Reiseveranstalter Thomas Cook ist sehr aktiv mit Instagrammern, führt beispielsweise verschiedene PhotoWalks durch (siehe http://photowalks.thomascook.de/).

Kristine Honig-Bock ist Beraterin und Netzwerkpartnerin bei Tourismuszukunft– Institut für eTourismus sowie beim Institut für digitale Wertschöpfung. Zudem unterstützt sie Firmen als Social Media Beraterin. Ihr Fokus liegt auf den Themen Online Marketing, Corporate Blogs und Blogger Relations. Zuvor hat sie mehrere Jahre als Projektmanagerin im Bereich Tourismus bei Compass und beim Niederländischen Büro für Tourismus & Convention gearbeitet.

Veranstaltungshinweis

Alles Wichtige rund um das Thema Influencer Relations erfahren Sie im Rahmen des Moduls Onlinekommunikation und Social Media im Tourismus“, geleitet von Kristine Honig-Bock. Das Modul ist Bestandteil des Intensivkurses Tourismuskommunikation und -marketing der SCM – School for Communication and Management und findet vom 19.-21.5.2016 in Berlin statt.

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