Kommunikations-Expertise im Interview – mit Eike Alexander Kraft von AccorHotels

Seit knapp einem Jahr haben Sie Ihr internes Kommunikationsnetz umgestellt. Alle wichtigen kommunikativen Fähigkeiten sind in einem „Newsroom“ zusammengefasst. Die Bereiche PR und Media Relations, Social Media, Blogger Relations, Customer Service und interne Kommunikation sind in einem Raum gebündelt. Dabei berichten Sie direkt an Laurent Picheral, CEO Central & Eastern Europe und Mitglied des Globalvorstands der AccorHotels Group in Paris.

 

Was hat Sie dazu veranlasst, Ihre Unternehmenskommunikation komplett neu aufzustellen? Gab es hierfür einen bestimmten Auslöser?

Auslöser war die Feststellung, die ja nicht nur uns umtreibt: Die Kommunikationswelt und die Anforderungen unserer Stakeholder haben sich rapide geändert. Die gewachsenen Unternehmensstrukturen und Kommunikation aus verschiedenen Silos, mit eigenen Ressourcen und schwerfälligen Abstimmungsprozessen sind dem nicht mehr gewachsen. Content, Dialog und Schnelligkeit stehen heute im Zentrum, und zwar in einem 360-Grad-Blick auf unsere Umwelt und 24/7. Die Zusammenziehung aller Kommunikationsfunktionen aus verschiedenen Abteilungen in einen Newsroom und eine entsprechende Content Governance für das Unternehmen machen uns zukunftsfähig.

Welche Vorteile hat die neue Kommunikationsstruktur gegenüber dem System, in dem Ihre Unternehmenskommunikation früher organisiert war?

Alle Funktionen sind heute nicht nur baulich, sondern auch strukturell und im Mindset unter einem Dach. Wir sind dabei agil, dynamisch und schlagkräftig und nach innen haben wir uns als zentraler Kommunikationshub und Service Provider für Kommunikation etabliert. Das Team ist auch Leuchtturm im Change hin zu einer neuen Unternehmenskultur und stärker kollaborativen Arbeitsweise, die heute unabdingbar ist. Der zentrale Vorteil ist, dass wir heute uns nur auf den Content von innen oder außen fokussieren und diesen 360-Grad kommunikativ betrachten und bearbeiten. Und nicht jeder in seinem Kanal-Silo. Zu sehen, wie aus diesem Kreativzentrum des Unternehmens durch ein paar wenige Zurufe und Klicks reichweitenstarke, kreative Kommunikation auf diversen Kanälen wird, ist für mich heute immer noch faszinierend und macht mich stolz auf das Team und was wir gemeinsam geschaffen haben.

Können Sie konkrete Erfolge nennen, die Sie mit Ihrem neuen Newsroom erzielen konnten?

Ein wesentlicher Erfolg ist die kollaborative Arbeitsweise mit gestärkter Eigenverantwortung durch mehr Freiheit für die Experten und Teams. Alle sind zusammengerückt und arbeiten mit Fokus auf Content eng zusammen. Wir haben Ressourcen eingespart, da wir diese zusammengeführt und effizienter gemacht haben. So machen wir z.B. Social Media heute vor allem inhouse und haben Dienstleisterkosten reduziert. Aber auch die Arbeitsergebnisse, die wir sowohl in PR als auch Social Media genau messen, haben sich deutlich verbessert. Kommunizieren aus einer Hand mit Fokus auf die Story ist nicht nur effizienter, sondern auch ergebnisorientierter. Stolz sind wir vor allem auch auf die Innovationskraft. So sind wir gerade im Bereich Social Media auf viele neue Kanäle gegangen und waren bei snapchat recht früh mit an Bord. Und übrigens ohne große Freigabeprozesse, sondern aus dem Team heraus. Das hilft z.B. auch beim Employer Branding.

Wie sieht die Zusammenarbeit innerhalb Ihres Newsrooms aus? War es eine große Umstellung für Ihre Mitarbeiter, so interdisziplinär und eng – auch räumlich – zusammenzuarbeiten?

Der Newsroom ist nur ein Name für ein tolles Team. Alle sind aus unterschiedlichen Bereichen unter den Hut der Unternehmenskommunikation in einem Raum zusammengekommen. Das war am Anfang schon eine Herausforderung, nicht nur das Großraumbüro, sondern auch die unterschiedlichen Kulturen. Da kamen PR-ler mit Social Media guys und E-Commerclern und Marketers zusammen. Heute haben alle füreinander Verständnis entwickelt und es geht Hand in Hand. Geholfen hat sicherlich, dass wir es strukturell in der Organisation durchgezogen haben und das es kein lockeres Zusammenkommen ist wie bei vielen anderen Newsroom-Konzepten. Und geholfen hat, dass das Team eigentlich alles selber entwickelt hat und es nicht „von oben“ übergestülpt wurde.

Würden Sie das Newsroom-Konzept auch anderen mittelständischen oder großen Unternehmen empfehlen? Und wenn ja, warum?

Für mich gibt es keine Alternative. Die Fachbereiche müssen zukünftig noch enger zusammenrücken. Wir sind ein pragmatisches hand-made Konzept, so dass ich auch kleineren Unternehmen und Mittelständlern Mut machen will es zu wagen. Man braucht dafür nicht große Berater-Heere und viel Geld. Es ist vor allem eine Mindset-Frage mit den richtigen Ansätzen und Tools, die zum Unternehmen passen. Wir sind schon beim nächsten Schritt und kümmern uns dieses Jahr vor allem um die Frage, wie wir das große Meer des Contents miteinander noch besser koordinieren und organisieren können.

 

Eike Alexander Kraft hält den Workshop „Content is King aber wie? Der Newsroom bei AccorHotels“ am 19. Mai auf den Praxistagen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Düsseldorf.

 

Eike Alexander Kraft, VP Corporate Communications AccorHotels Central Europe

Eike Alexander Kraft, VP Corporate Communications AccorHotels Central Europe

Eike Alexander Kraft leitet seit 2012 als Mitglied der Geschäftsleitung für den Hotelmarktführer AccorHotels die Unternehmenskommunikation im deutschsprachigen Raum und Skandinavien. In dieser Funktion verantwortet er die interne und externe Kommunikation, Social Media und Blogger Relations, die politische Kommunikation, Customer Relations und das Nachhaltigkeitsprogramm im zweitgrößten Markt nach Frankreich. Der Inhaber eines MBA und Diplom-Staatswissenschaftler sammelte vor seiner Tätigkeit bei AccorHotels mehrjährige Erfahrungen im politischen Bereich und als Offizier der Bundeswehr. Zuletzt war Eike Kraft als Presseoffizier und Sprecher im Pressezentrum der Luftwaffe tätig.

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