Intranet: Themen und Trends 2015

Das Intranet hat seit seiner Entwicklung in den neunziger Jahren einen massiven Wandel erlebt. Von einer einfachen Linkliste hin zu einem eigenen Medium, das nicht nur die kommunikativen Anforderungen in Unternehmen unterstützt, sondern ein zentrales Element der modernen Unternehmenssteuerung ist. Klassische Geschäftsmodelle erfahren im Rahmen der digitalen Transformation tief greifende Umbrüche. Etablierte Unternehmen sehen sich immer neuen Angreifern auf ihren Märkten gegenüber, die zum Teil mit disruptiven Geschäftsmodellen arbeiten. Vor diesem Wandel wächst die Bedeutung der schnellen und effizienten Internen Kommunikation mit den Mitarbeitern in und mit dem Medium Intranet.

Mit der Digitalisierung finden aber auch umgekehrt immer mehr Innovationen und Trends aus dem Internet zeitverzögert Einzug in die betriebliche Welt des Intranets. Ein Beispiel hierfür ist das klassische Business-TV, welches dem Trend folgend nicht mehr über eine konventionelle Fernsehinfrastruktur zu den Rezipienten gelangt. Business-TV ist heute Bestandteil des Intranets. Aktuell diffundieren Social Networks aus dem Internet in die Intranets der Unternehmen. Ein kontinuierlicher Wandel, bei dem eine Standortbestimmung nicht leicht fällt. Doch: Was machen deutsche Unternehmen wirklich in ihrem Intranet? Und welche Themen sind in diesem Jahr relevant? Die Intranet-Studie „Themen und Trends“ untersucht jährlich die aktuellen Trends in den Intranets deutscher Unternehmen. Hierzu wurden Unternehmen verschiedenster Größe angesprochen.

Die Anwenderstudie „Intranet Themen und Trends“ erfragte die Ziele, die Unternehmen mit ihrem Intranet verfolgen. Das klare Ergebnis: Vor Wissensmanagement und vor allgemeinen qualitativen Zielen, wie der Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung, steht an erster Stelle immer noch die interne Unternehmenskommunikation als Ziel des Intranets. Die Idee einer integrierten zentralen Informations- und Arbeitsumgebung für Mitarbeiter ist in der Gesamtbetrachtung eher ein nachrangiges Ziel. Entsprechend bieten 91 Prozent der Unternehmen Unternehmensnachrichten im Intranet an.

Die Mehrheit der Intranets wird von der Unternehmenskommunikation oder der IT-Abteilung verantwortet. Dieses Ergebnis liegt in der Historie der jeweiligen Intranets begründet. Intranets werden zu einem Teil von IT-Abteilungen als Anwendungsplattform betrieben und verantwortet. Dem gegenüber stehen die Unternehmen, die in ihrem Intranet historisch die interne Kommunikation priorisiert haben. Es gibt aber auch Unternehmen, die einen eigenen Bereich für Informationsmanagement eingerichtet haben oder die in interdisziplinären Teams die Aspekte Information und Anwendungen vertreten. Eine gute Interne Kommunikation erfordert Verantwortlichkeit, jedoch gaben 44 Prozent der befragten Unternehmen an, keinen dezidierten Portal- bzw. Intranet-Manager zu haben.

Beleuchtet man die Situation in den Redaktionen, so zeigt sich ein positives Bild: Bereits in der Unternehmensklasse von 201 bis 1.000 Beschäftigte sind im Schnitt 1,1 Vollzeit-Mitarbeiter tätig. Bei Unternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten sind es im Schnitt fast 14 Vollzeit-Stellen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Redakteure in den Fachbereichen. Rund 74 Prozent der Unternehmen haben dort aktive Redakteure. Die Redakteure der zentralen Intranet-Redaktion haben in der Regel verschiedene Ausbildungen hinter sich. In 37 Prozent der befragten Unternehmen sind Redakteure mit Studium der Unternehmenskommunikation tätig, bei 21 Prozent mit einem Journalistik-Studium. Darüber hinaus ergibt sich ein hoher Teil von Mitarbeitern ohne besondere Qualifikation oder mit einschlägiger Weiterbildung.
Trendthema und wichtiger Bereich für das Jahr 2015 ist das Mobile Intranet. Dies ist auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen. Zum einen haben die bestehenden Intranets einen hohen Stellenwert in der täglichen Arbeit erreicht, so dass eine mobile Nutzung von den Anwendern gefordert wird. Auf der anderen Seite ist die mobile Nutzung eine Selbstverständlichkeit geworden. So manche Website im Internet wird mehr von mobilen Endgeräten aufgerufen als von klassischen PCs. In diesem Punkt ist das mobile Intranet eine logische Weiterentwicklung, die – aus dem Internet bekannt – jetzt auch intern im Unternehmen gewünscht wird. Nicht zuletzt ist dies auch eine Konsequenz aus der zunehmenden Endgerätediversität und Konzepten wie Bring-Your-Own-Device (BYOD). Entsprechend befassen sich Unternehmen auch mit dem Thema Responsive Web Design.

Ein zweites Trendthema ist das Social Intranet: 48 Prozent der Befragten sehen das Thema in seiner Bedeutung in diesem Jahr steigend. Betrachtet man die geplanten Investitionen der Unternehmen, ergibt sich ebenfalls eine deutliche Aussage: Von den Befragten planen 40 Prozent in 2015 oder später eine Investition in Social Intranet Software. Bereits investiert haben 30 Prozent der Unternehmen der Studienteilnehmer. Die Skepsis ist jedoch groß: Über 70 Prozent der Befragten sehen Hürden bei der Umsetzung von Social Intranet. Diese Problematik ist eigentlich nur folgerichtig. Die hinter einem Social Intranet liegende Software ist ein reines Werkzeug. Eine neue Arbeits- und Kommunikationsform basiert aber nur zu geringen Teilen auf Software-Werkzeugen. Auch gilt: Wer auf dem Gang nicht miteinander spricht, braucht kein Social Intranet. Hier ist in den kommenden Jahren ein massiver Wandel zu erwarten: Die technologischen Veränderungen der Industrie 4.0 ziehen einen Wandel zur Kommunikation 4.0 nach sich. Und damit zwingend einhergehend auch eine Weiterentwicklung zur Unternehmenskultur 4.0. Der Wandel in der Unternehmens- und Arbeitskultur als Reaktion auf die internationalen und immer schneller reagierenden Märkte wird die Unternehmen in den kommenden Jahren beschäftigen.

Prof. Dr. Thorsten Riemke-Gurzki ist Web- und Intranet-Pionier der ersten Stunde mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Er forscht und lehrt im Themenfeld Intranet an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

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