Experteninterview mit Stefan Rojacher

Im vergangenen Jahr ist Kaspersky Lab selbst zum Opfer eines Cyberangriffs geworden, ein schwerwiegender Krisenfall, aus dem das Unternehmen jedoch sogar mit einer Auszeichnung des Bundesverbands deutscher Pressesprecher hervor ging. Wie haben Sie diese Krise kommunikativ bewältigt?

Mit der Veröffentlichung des Cyberangriffs auf das eigene Unternehmensnetzwerk hat Kaspersky Lab Transparenz und Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Wirtschaft und Politik demonstriert.

Die Krisenkommunikationsstrategie basierte auf drei Säulen:

1. Über das Eingeständnis des Cybersicherheitsvorfalls schafften wir Transparenz und übernahmen Verantwortung. Mit der Veröffentlichung solcher Vorfälle ermöglicht man anderen Organisationen, auf die Gefahr aufmerksam zu werden und sich selbst zu schützen. Unsere Kunden und Partner hatten Gewissheit, dass der Vorfall keine Auswirkungen auf sie hatte.

2. Wir haben den Gesamtzusammenhang erklärt. Hinter dem Cyberangriff Duqu 2.0 steckt ein mächtiger Akteur. Der Angriff auf Kaspersky Lab ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Duqu 2.0 hat eine Reihe hochrangiger Ziele mit geopolitischen Interessen angegriffen.

3. Wir nutzten die Chance, auch die eigene Expertise zu demonstrieren. Technologien und Expertise von Kaspersky Lab haben es ermöglicht, den fortschrittlichsten Cyberangriff der Welt zu enttarnen.

Mussten Sie im Nachgang feststellen, dass trotz Ihrer ausgezeichneten Kommunikationsarbeit, die Reputation der Marke Schaden genommen hatte?

Nach Bekanntgabe des Vorfalls wurde in keiner Region ein Umsatzrückgang festgestellt. Es gab weder positive noch negative Auswirkungen auf Absätze im Fachhandel, im eCommerce oder im Unternehmensbereich. In Anbetracht der Sensibilität und der Bedeutung wurde die Ankündigung von allen Zielgruppen gut aufgenommen. Negative Auswirkungen auf die Marke konnten nicht festgestellt werden. Die Medienberichterstattung war äußerst fair und für den offenen Umgang mit dem Vorfall auch sehr anerkennend.

Die kleine Fachwelt der Cybersicherheitsexperten hat die Enttarnung sogar sehr beeindruckt. Auf der ganzen Welt gibt es nur sehr, sehr wenige Spezialisten, die in der Lage sind, derartig fortschrittliche Angriffe zu enttarnen.

Was sind Ihrer Meinung nach, die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Krisenstrategie?

Zunächst ist es entscheidend eine „Krisenkultur“ zu entwickeln. Wenn also die krisenstrategischen Hausaufgaben als Kommunikator gemacht wurden, gibt es meiner Meinung nach drei Voraussetzungen:

1.     Entscheidet sich ein Unternehmen für Transparenz als geeignete Strategie, sollte die Transparenz auch umfassend sein.

2.     Die Unternehmenskommunikation muss in der Führungsetage so etabliert sein, dass den Kommunikationsprofis die Krisenkommunikation anvertraut wird. Was sich wie selbstverständlich anhört, ist in vielen Fällen leider weit von der Realität entfernt. Eine Krisenkompetenz muss von der Unternehmenskommunikation nicht erst im Krisenfall gezeigt werden, sondern kontinuierlich und mit viel Eigen-PR etabliert werden.

3.     Das Fundament ist schließlich die PR selbst. Wenn ich in der Vergangenheit zurückhaltend auf Journalistenanfragen reagiert habe, warum sollen mir diese Journalisten dann im Krisenfall vertrauen? Eine langfristige offene Kommunikation sowie gute, professionelle Beziehungen mit den Medien führen zu einem fairen Umgang mit dem Unternehmen in der Krise.

Stefan Rojacher

Stefan Rojacher

ist Leiter der Unternehmenskommunikation von Kaspersky Lab in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bevor er 2012 zum
Spezialisten für Cybersicherheit stieß, arbeitete er bei verschiedenen Agenturen als Berater für strategische Kommunikation im
Technologiebereich. Zuvor war er als Journalist tätig. Stefan Rojacher und Kaspersky Lab wurden 2015 als Pressestelle des Jahres für eine transparente und mutige Krisenkommunikationsstrategie durch den Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) ausgezeichnet.

    Leave a reply

    Your email address will not be published.