Experteninterview mit Andreas Schütz

Bereits mehrfach durfte sich das DLR über Auszeichnungen für seine Kommunikation freuen, das waren u.a. der Internationale Deutsche PR-Preis 2014 für die Kampagne zur Mission von Astronaut Alexander Gerst oder im vergangenen Jahr der Preis für die Pressestelle des Jahres. Was zeichnet Ihre Kommunikation aus?

Ich denke, dass es der crossmediale Ansatz ist, mit dessen Hilfe wir unsere Nachrichten und Informationen in die Öffentlichkeit bringen. Als Öffentlichkeit verstehen wir dabei alle, die ein Interesse an der Arbeit des DLR haben – Politik, Presse, Bevölkerung. Mit einem möglichst tagesaktuellen Informationsmix, der von der herkömmlichen Pressemeldung, über Sonderseiten auf dlr.de bis hin zu den sozialen Medien ergänzt durch Fotos und Videos reicht, bedienen wir die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse.

Bei der Verleihung des Preises des BdP wurde Ihr „Online first“-Ansatz und insbesondere der Einsatz sozialer Medien und visueller Kommunikation hervorgehoben. Was macht das DLR diesbezüglich anders oder besser?

Alle Themen mit denen das DLR an die Öffentlichkeit tritt werden im Vorfeld auf ihre multimediale Verwertbarkeit geprüft. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Greifbarkeit des Themas. Wissenschaftliche Projekte und Missionen sind manchmal schwer in Worte zu fassen, so dass ein faszinierendes Bild oder ein überraschendes Video die Sache mit einem Schlag verständlicher machen. In einem nächsten Schritt werden wir uns mit der populären Visualisierung von wissenschaftlichen Daten beschäftigen.

Welche Rolle spielen die klassischen Instrumente der PR, wie Pressemeldungen oder Pressekonferenzen, in Ihrem Alltag als Pressesprecher heute? Hat sich Ihre Arbeit durch die neuen Medien stark gewandelt?

Mit Pressekonferenzen haben wir uns immer stark zurück gehalten, maximal ein bis zwei pro Jahr, so dass diese zu einer Institution wurden. Wenn wir jetzt zu einer Pressekonferenz einladen, wissen die Journalisten, dass es etwas wirklich Wichtiges zu sagen gibt. Was die Pressemeldung betrifft, haben die neuen Medien deren Wirkung eher beschleunigt. Wir erreichen unsere „Kunden“ über die sozialen Medien sehr viel schneller und fangen damit den Zeitdruck in den Redaktionen auf. Die Pressemeldung hat als Informationsquelle an Bedeutung gewonnen, denn sie erzählt die Geschichten, die sich hinter der eigentlichen Meldung verbergen.

Das DLR hat nicht nur einen Blog sondern gleich neun bzw. nach dem Wechsel Ihres CEO Jan Wörner zur ESA im vergangenen Jahr nur noch acht. Warum so viele Blogs und wer schreibt dort (für welche Zielgruppen)?

Die Entscheidung, Blogs zu verschiedenen Themen zu veröffentlichen, basierte auf dem Wissen um deren Wirkung. Wissenschaftler, Ingenieure und Entscheidungsträger die von ihrer täglichen Arbeit „live“ berichten, haben ein hohes Maß an Authentizität und Transparenz. Auch hier sprechen wir alle an, die sich für die Arbeit des DLR interessieren. Und aus so manchem Blog ist eine gute Geschichte in den Medien geworden.

Neben dem Blog nutzen Sie Facebook, Twitter, YouTube und Flickr. Welche Rolle spielen diese Kanäle in Ihrem Kommunikationsmix?

Die sozialen Medien haben für unsere Arbeit eine hohe primäre, aber auch sekundäre Wirkung. Zum einen wirken sie primär als Form der modernen Kommunikation für sich und haben ihre eigenen Zielgruppen. Zum zweiten begleiten sie sekundär die bisher herkömmlichen Kommunikationsmittel und Beschleunigen die Information.

Welchen Stellenwert nimmt die Kommunikation außerhalb der digitalen Welt ein? Welche Wege beschreitet das DLR offline? Welchen Stellenwert haben bspw. Messen oder Infoveranstaltungen für den Kontakt mit Interessenten, Fans und Followern?

Irgendwann möchte jeder, der etwas digital verfolgt, dieses auch einmal anfassen, spüren und erleben. Denn Wissenschaft ist Faszination für das Unbekannte, das aber ganz real sein kann. Jedes Jahr veranstalten wir an unseren Standorten Tage der offenen Tür, alle zwei Jahre den Tag der Luft- und Raumfahrt, wir sind auf allen wichtigen nationalen und internationalen Luft- und Raumfahrtmessen vertreten und organisieren eigene Ausstellungen. Zudem unterstützen wir ausgewählte Veranstaltungen an Universitäten und populärwissenschaftlichen Einrichtungen. Diese Aktivitäten dienen aber nicht nur der Information und dem Kontakt mit der Öffentlichkeit, sondern auch zur Nachwuchsgewinnung.

Andreas Schütz

Andreas Schütz

ist Diplomingenieur für Flugzeugbau, war Chefredakteur eines Flughafenmagazins, hat als freier Journalist gearbeitet und ist seit 2008 Pressesprecher des DLR.

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