Digitale Transformation – Interview mit Carsten Lucaßen, Viessmann Group

Wie kann die Vernetzung und Kollaboration auch in klassischen Unternehmensstrukturen in Gang gebracht werden?

Vernetzung und Kollaboration werden heute oft in einem Atemzug mit der digitalen Transformation genannt, sind jedoch seit jeher Grundlage für die erfolgreiche Arbeit im Unternehmen. Insofern geht es weniger darum, diese Formen der Zusammenarbeit in Gang zu bringen, als vielmehr um die Digitalisierung bisher vorwiegend analoger Strukturen. Damit dies gelingt, sollten Vernetzung/Kollaboration weniger als klassische IT-Projekte betrachtet werden, sondern als eine übergreifende strategische Aufgabe. Das heißt konkret: Die Unterstützung bzw. das Sponsorship des Top-Managements ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, genauso wichtig ist auf der anderen Seite die Einbeziehung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu ist eine offene Kommunikation erforderlich, die ihrerseits selbst Teil des digitalen Kulturwandels ist. Die digitale Transformation verändert auch die Interne Kommunikation grundlegend. Medienversierte Mitarbeiter erwarten relevante Informationen auf allen Kanälen.

Welchen Herausforderungen müssen sich Unternehmen in diesem Zusammenhang stellen?

Es geht vor allem um die – mitunter vielleicht schmerzhafte Erkenntnis – dass die Unternehmen schon heute einen beträchtlichen Teil ihrer internen Kommunikation aus der Hand gegeben haben. Jedes Unternehmen muss doch nur schauen, wie viele Facebook-Seiten und -gruppen es unter seinem Namen gibt. Wenn man überprüft, was Mitarbeiter im Netz alles veranstalten, sieht man: das ist sehr viel. Aufgabe der internen Kommunikation kann daher nicht sein, eine längst verlorene Gatekeeper-Rolle zurückzuerlangen. Wichtiger ist es, als Ansprechpartner und gegebenenfalls als „Sparringspartner“ für mehr Transparenz im Unternehmen zu sorgen, zur Demokratisierung des Wissens beizutragen sowie die dazu erforderlichen Kanäle gemeinsam mit den Nutzern weiterzuentwickeln und – wo immer möglich – zu bündeln.

Welche Medien und Plattformen können die digitale Transformation unterstützen?

Grundsätzlich gilt: Die digitale Transformation ist ein Thema für alle internen Medien und Plattformen – auch für die traditionellen, analogen Kanäle. Dazu gehören zum Beispiel Mitarbeiter-Zeitschriften, Newsletter oder Aushänge am Schwarzen Brett. Vorteile dieser Medien sind die große Reichweite innerhalb der Belegschaft und ein zumeist hohes Maß an Akzeptanz. Es handelt sich dabei jedoch um klassische „Sender-Empfänger-Kommunikation“, die nur bedingt einen Diskurs mit den internen Zielgruppen zulässt. Dies wiederum bieten interaktive, dialogische Medien wie das Social Intranet oder – im Idealfall – eine eigene Mitarbeiter-App, wie wir sie bei Viessmann eingeführt haben. Eine solche kann für private Endgeräte zur Verfügung gestellt werden und erreicht damit auch Mitarbeiter, die bisher keinen Zugang zu internen, digitalen Informationsangeboten hatten. Der Einsatz von dialogischen Medien/Plattformen unter Einbeziehung möglichst aller Mitarbeiter ist aus meiner Sicht die beste Strategie für eine erfolgreiche Kommunikation des digitalen Strukturwandels.

Wie kann Kommunikation neue kollaborative Geschäftsprozesse bewegen?

Mit der Digitalisierung gehen tiefgreifende technische Veränderungen einher: die zunehmende Verbreitung von Cloud-Lösungen, das Internet of Things, Big Data – um nur drei Stichworte zu nennen. Daraus ergibt sich ein hoher Informationsbedarf nicht nur innerhalb der Unternehmen, sondern auch in der allgemeinen Öffentlichkeit und bei den Kunden. Aufgabe der Kommunikation ist es, das benötigte Wissen zur Verfügung zu stellen und – vor allem – die Zielgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen. Das kann zum Beispiel bei Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung sein; dazu kann auch ein digitales Tool eingesetzt werden. Bei Viessmann verfolgen wir beide Ansätze: Auf unseren Digitali- sierungsforen treten wir in den Dialog mit unseren Marktpartnern, gleichzeitig öffnen wir unsere Mitarbeiter-App für die externe Kommunikation ausgewählter Inhalte. Die durch das Verschmelzen von internen und externen Kanälen entstehende Transparenz ist eine wichtige Voraussetzung, um neue, digitale Geschäftsmodelle erfolgreich zu etablieren.

Wo gehen Ihrer Meinung nach die Entwicklungen hin?

Der Trend geht ganz klar zu einer nutzerorientierten Kommunikation. Deshalb haben wir die Kolleginnen und Kollegen von Anfang an in die Entwicklung unserer Mitarbeiter-App eingebunden. Das steigert die Akzeptanz, liefert uns frühzeitiges Feedback und führt uns immer wieder die wichtigsten Anforderungen an ein solches Tool vor Augen: ein individuell anpassbares Informationsangebot, eine intuitive Bedienung sowie die Möglichkeit, mit anderen Nutzern in Dialog zu treten – sei es über eine Kommentarfunktion, über Mitarbeiter-Befragungen oder zum Beispiel über die Einbindung des betrieblichen Vorschlagwesens. Am Ende dieser Entwicklung steht ein Kommunikations-Hub, der die vorhandenen digitalen Kanäle bündelt, auf allen Endgeräten zur Verfügung steht und damit das „klassische“ Intranet als wichtigstes Medium der internen Kommunikation ablöst.

Carsten Lucaßen hält im Rahmen der Praxistage Interne Kommunikation 2.0 am 5./6. Oktober in Frankfurt die Keynote.

Carsten Lucaßen

Carsten Lucaßen

Carsten Lucaßen ist Leiter Digitale Kommunikationsprojekte bei der Viessmann Group. Neben dem Aufbau einer Unified-Communications-Plattform beschäftigt er sich mit der strategischen (Weiter-)entwicklung und Integration digitaler Informations- bzw. Kommunikationskanäle. Nach dem Studium der Englischen Philologie, Neueren Geschichte und Kommunikationswissenschaften in Münster und Southhampton folgten Stationen als Redakteur und Marketingleiter bei verschiedenen Tageszeitungsverlagen.

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