Digitale Transformation – Interview mit Christian Fronek, Robert Bosch

Wie kann die Vernetzung und Kollaboration auch in klassischen Unternehmensstrukturen in Gang gebracht werden?

Mut, Initiative, Offenheit, Hartnäckigkeit und Begeisterung für die Chancen des digitalen Wandels – das waren die Erfolgsfaktoren für die weltweite Einführung unserer Social Business-Plattform „Bosch Connect“. Die Initiative vor vier Jahren ging von einigen wenigen Mitarbeitern der Bereiche Kommunikation, IT und Personalwesen aus, denen die digitale Transformation von Bosch am Herzen lag. Hilfreich war natürlich das offene Ohr unserer Geschäftsführung für Veränderung. Sie war und ist überzeugt, dass sich die Arbeitskultur wandeln muss, um als innovatives Technologieunternehmen dauerhaft zukunfts- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Die moderne Arbeitswelt wird durch technischen Neuerungen beeinflusst, klar. Aber auch die Einstellung der Mitarbeiter trägt zum Wandel bei. Gerade die jüngere Generation fordert ein Höchstmaß an Flexibilität, Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. Das passt natürlich nicht zu einer hierarchischen Organisation mit tradiertem Führungsstil und Anwesenheitspflicht. Und deshalb haben wir unser Vergütungssystem für Führungskräfte umgestellt und eine Vielzahl an flexiblen Arbeitszeitmodellen etabliert. Auch an neuen Führungsgrundätzen und inspirierender Bürowelt wird aktuell gearbeitet.

Die digitale Transformation verändert auch die Interne Kommunikation grundlegend. Medienversierte Mitarbeiter erwarten relevante Informationen auf allen Kanälen. Welchen Herausforderungen müssen Sie sich bei Robert Bosch in diesem Zusammenhang aktuell stellen bzw. wie sieht Ihre Digitalstrategie aus?

Mit unserer Bosch-Zünder-Medienfamilie haben wir ein breites Informations- und Dialogangebot geschaffen, das bei den rund 400.000 Mitarbeitern gute Akzeptanz genießt. Die Medienfamilie ist ein Mix aus Print-, Online- und Mobilangeboten. Jüngstes „Familienmitglied“ ist die Bosch-Zünder App. Die bieten wir seit 2015 in zwei Sprachen an und wird gut angenommen – trotz funktionaler Unzulänglichkeiten. Herausfordernd ist der Wunsch aktuelle, standortspezifische Informationen zu veröffentlichen ohne an Veröffentlichungsgeschwindigkeit einzubüßen. Auch die mediengerechte Aufbereitung von Informationen fordert uns, denn unser Mobilangebot muss noch bildhafter und spielerischer sein als bisher. Auf Bosch-Zünder-Online, digitales Leitmedium der Mitarbeiterkommunikation, spielt das „Community Management“ inzwischen eine große Rolle: Denn der Dialog zu den Inhalten nimmt stark zu und muss entsprechend begleitet werden. Hier erreichen wir ein ganz neues Niveau an Offenheit, Transparenz und Teilhabe. Das freut uns sehr und gilt es zu fördern.

Welche Medien und Plattformen können die Digitale Transformation unterstützen?

Das Intranet als integrierte Wissens-, Informations-, Kommunikations- und Arbeitsplattform ist sicher von herausragender Bedeutung für die digitale interne Transformation. Das Intranet wird zum digitalen Arbeitsplatz, wenn den Mitarbeitern relevante Inhalte und wichtige Geschäftsprozesse in personalisierter Form angeboten werden. Der Trend zur mobilen Kommunikation wird sich fortsetzen. Auch dafür braucht es technische Lösungen, sei es durch unternehmenseigene Apps oder Angebote im responsive Design.

Was sind Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren für eine Digitale Transformation und wo sehen Sie Erfolgshemmnisse?

Der Mut, Neues zu wagen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ebenso die intensive Kommunikation und die Einbeziehung der Nutzer. Denn es gilt, die Mitarbeiter zu Botschaftern des Wandels zu machen und den Nutzen für die eigene Arbeit herauszustellen. Wichtig ist auch, dass Führungskräfte vorangehen. Ist das nicht der Fall, wird es schwierig – wie in jedem Veränderungsprojekt auch.

Christian Fronek ist Referent der Tagung Interne Kommunikation am 2./3. November 2016 in Düsseldorf.

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Christian Fronek

Christian Fronek

Christian Fronek ist stellvertretender Leiter der Unternehmenskommunikation von Bosch und verantwortet seit 2011 die Führungskräfte- und Mitarbeiterkommunikation. Zuvor war er als Pressesprecher, Kommunikationsberater und Journalist für verschiedene Organisationen tätig.

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