Influencer Relations im Tourismus: Christine Neder im Interview

Christine Neder spricht im Interview über Influencer Relations in der Tourismusbranche. Sie selbst ist nicht nur erfolgreiche Reisebloggerin (Lillies Diary), sondern auch sehr aktiv in verschiedenen Social-Media-Kanälen (u.a. Facebook und YouTube).
Ein Fachbeitrag sowie eine Experten-Interviewrunde zum Thema Influencer Relations sind im Newsletter TOURImag 01/2016 erschienen.

Kooperieren Sie mit Unternehmen aus der Tourismusbranche? Wenn ja, in welcher Form?

Ja. Das ändert sich von Jahr zu Jahr. Am Anfang als kleiner Blogger freut man sich riesig über Reiseeinladungen, vor Ort zu recherchieren und Content für den Blog zu bekommen. Früher war es eher nur „Reisen gegen Berichterstattung“, heute sehen die Unternehmen und Agenturen mehr, welchen Mehrwert ich bieten kann. Ich mache Videos, verkaufe Fotos – so ändern sich die Kooperationen auch immer. Manchmal kaufen Tourismusunternehmen einfach ein Advertorial – wenn sie ein Thema haben über ein Land, in dem ich bereits war und zu dem ich Material habe, berichte ich für sie über dieses Thema. Die neueste Form und meine Lieblingsform, die ich für L’TUR umsetzen durfte: Eine Bloggerreise, die man genau so nachbuchen konnte. Das war für mich wirklich toll, denn oft ist es so: Man macht als Blogger diese tollen Reisen, die sehr individuell zusammengestellt wurden. Für den Leser ist es dann aber häufig kompliziert, die Reise genau so nachzumachen. Bei dieser Bloggerreise hingegen (10 Tage in Sri Lanka) war es möglich, dass meine Leser diese Reise exakt so nachbuchen konnten, wie ich sie gemacht habe. So etwas ist für mich als Blogger natürlich schön, denn das Vermitteln von Tipps und Erlebnissen ist ja mein Hauptanliegen.

 Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Kooperationen mit Tourismusunternehmen?

Meine bisherige Erfahrung ist durchweg positiv. Ich gehe jedes Jahr auf die ITB und lerne dort auch viele Menschen kennen, die meisten habe ich also bereits irgendwann persönlich getroffen. Da ich auch Kooperationen mit Unternehmen eingehe, die nicht zum Tourismussektor gehören, kann ich im Vergleich sagen: Die Verantwortlichen in Tourismusunternehmen sind eigentlich fast immer sehr angenehm. Sie haben verstanden, dass ihr Produkt ein Gefühl vermitteln muss und dass deswegen die Geschichten auch persönlich sein müssen. Wichtig ist also, Geschichten zu erzählen, die einen emotionalen Wert haben und somit die Leser und potentiellen Kunden ansprechen.

 Wenn Sie Anfragen von Unternehmen erhalten, wie bewerten Sie diese? Fühlen Sie sich ernstgenommen und persönlich angesprochen? Oder erhalten Sie viele Anfragen, die überhaupt nicht zu Ihnen und Ihrer Arbeit passen?

Ich persönlich fühle mich ernst genommen und persönlich angesprochen. Aus anderen Bereichen bekomme ich häufig unpassende Anfragen, diejenigen aus dem Tourismusbereich passen aber meistens schon. Ausnahmen sind große Agenturen, die mir beispielsweise Einladungen zu einem Familienurlaub schicken. Ich überlege natürlich immer selbst: Passt das zu mir? Habe ich eine Leidenschaft dafür? Denn dann kann ich das Thema in meinen Artikeln viel besser vermitteln. Und natürlich frage ich mich auch immer: Interessiert das Thema meine Leser?

 Hat sich Ihrer Erfahrung nach die Zusammenarbeit zwischen Influencern und Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Ja, denn: Agenturen haben mittlerweile verstanden, dass wir Blogger nicht wie Journalisten einfach Texte abliefern, sondern dass wir noch viel mehr zu bieten haben, nämlich im Social-Media-Bereich. Heute sehen Kooperationen z.B. auch so aus, dass ich reise und dabei Videos und Fotos mache, die ich dann an den Kunden verkaufe. Videos können so vom Unternehmen etwa für YouTube verwendet werden – viele Unternehmen legen heute viel mehr Wert darauf, ihr Produkt auch im Bewegtbild darzustellen. Dafür ist der Tourismusbereich natürlich prädestiniert. Deshalb biete ich erschwingliche Videos an (ich habe auch eine Produktionsfirma und kenne mich deshalb mit den Preisen für aufwändigere Videos aus). Da ich selbst drehen und schneiden kann, kann ich Videos für attraktive Preise anbieten: So kann ein Unternehmen die ersten Schritte im Medium Bewegtbild machen. Solche Aufträge werden immer häufiger. Ähnliches gilt für Fotos für Social-Media-Kanäle. Das sind keine kitschigen Image-Bilder, sondern authentische, schöne Fotos – so, wie ein Urlaub in der Realität eben aussieht.

 Haben Sie das Gefühl, dass die Unternehmen, von denen Sie kontaktiert werden, sich ausreichend mit Ihnen und Ihrem Medium auseinandergesetzt haben und wissen, was Ihre Schwerpunkte/Themen sind?

Ja. Da ich nicht allein schreibe, sondern ein ganzes Team habe, hat jedes Teammitglied auch ein eigenes Steckenpferd. Eine ist begeisterte Backpackerin, eine andere macht lieber Citytrips. So hat jeder seinen Themenbereich und wir können einiges abdecken. Meine Vorlieben gelten Naturreisen – ich liebe die Natur und ich liebe es, Fotos von der Natur zu machen. Unser Blog kann eigentlich fast alles abdecken – außer Familienreisen.

 Wie frei fühlen Sie sich in Ihrer Berichterstattung über Unternehmen, mit denen Sie eine Kooperation eingegangen sind? Haben Sie das Gefühl, dass Sie kritisch berichten können?

Das kommt ganz auf die Art der Kooperation an. Sehr schwierig ist es, wenn Geld fließt. Da muss man bei der Berichterstattung schon vorsichtig sein. Ich versuche allerdings immer schon im Voraus, alle möglichen Fehler auszuschalten, indem ich recherchiere und mich frage: Ist das wirklich interessant, kann ich das meinem Leser empfehlen? Es macht aber auch einfach einen Blog aus, dass dort ehrlich und auch kritisch berichtet wird. Ein Beispiel dafür habe ich gerade erst auf meiner Sri Lanka-Reise erlebt: Diese war wirklich toll, ein Schwachpunkt war für mich aber der Besuch eines Elefanten-Waisenhauses. Ich hatte dazu zwar im Voraus recherchiert und nur Gutes darüber gelesen. Vor Ort war es dann aber doch sehr umstritten. In solchen Fällen nehme ich mir dann auf jeden Fall die Freiheit, kritisch zu berichten. Als Influencer sollte ich also immer vor einer Kooperation herausfinden, ob das Ganze zu mir passt. Es ist aber ja zum Glück so, dass Reisen ein sehr angenehmes Thema ist und man auf Reisen wunderschöne Erlebnisse hat. Deshalb tauchen bei mir eigentlich selten kritische Themen auf.

Was sind Ihrer Meinung nach die gravierendsten und häufigsten Fehler, die Unternehmen bei der Kontaktaufnahme zu Influencern machen?

Wenn der Name falsch geschrieben ist! Mir ist zum Beispiel auch wichtig, dass wenn ich eine Einladung zu einer Pressereise bekomme, diese gleich alle wichtigen Infos enthält, damit nicht erst zehn Emails hin- und hergehen müssen. Dann weiß der Blogger oft gar nicht genau, was von ihm verlangt wird. So entstehen Missverständnisse.

 Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit Tourismusunternehmen? Was ist verbesserungswürdig?

Für mich wäre es toll, ein Unternehmen zu finden, dass an einer wirklich langfristigen Kooperation interessiert ist. Als Blogger ist die Unsicherheit auch bezüglich der näheren Zukunft oft groß. Sich auf einen Kunden wirklich langfristig einzustellen wäre also eine willkommene Abwechslung. So könnte man verschiedene Themenbereiche abdecken und tiefergehend recherchieren, das wäre also eine Win-Win-Situation. Was ich nicht mag: Eine Presseeinladung erhalten, und der Veranstalter wartet dann zuerst ab, wer alles zusagt, um dann auszusieben. Ich habe gerne sichere Zusagen, bitte also grundsätzlich darum, nur echte Einladungen zu erhalten.

 

 

Veranstaltungshinweis

Alles Wichtige rund um das Thema Influencer Relations erfahren Sie beim Intensivkurs Tourismuskommunikation und -marketing der SCM – School for Communication and Management. Dieser findet in Form von drei Modulen vom 07.04.-09.04.2016, 19.05.-21.05.2016 und 23.06.-25.06.2016 in Berlin statt.

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