Influencer Relations im Tourismus: Anja Beckmann im Interview

Anja Beckmann spricht im Interview über Influencer Relations in der Tourismusbranche. Sie ist erfolgreiche Bloggerin (Travel on Toast) sowie auf zahlreichen weiteren Social-Media-Kanälen aktiv.
Ein Fachbeitrag sowie eine Experten-Interviewrunde zum Thema Influencer Relations sind im Newsletter TOURImag 01/2016 erschienen.

Anja Beckmann, kooperieren Sie mit Unternehmen aus der Tourismusbranche? Wenn ja, in welcher Form?

Mein Blog Travel on Toast habe ich vor drei Jahren gegründet. Seitdem habe ich vor allem mit Destinationen zusammengearbeitet, z. B. mit Aruba in der Karibik, Südafrika oder Thailand. Außerdem kooperiere ich mit Reiseveranstaltern, Airlines, Hotels und Markenartiklern. Die Formen der Zusammenarbeit sind unterschiedlich – sie reichen von Blogger- und Pressereisen über Advertorials, Kampagnen und Gewinnspiele bis hin zu Artikeln für Unternehmensblogs.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Kooperationen mit Tourismusunternehmen?

Mit einigen Kooperationspartnern arbeite ich schon lange und immer wieder zusammen, z. B. mit verschiedenen PR-Agenturen. Da kennen sich inzwischen beide Seiten und arbeiten gut zusammen.

Wenn Sie Anfragen von Unternehmen erhalten, wie bewerten Sie diese? Fühlen Sie sich ernstgenommen und persönlich angesprochen? Oder erhalten Sie viele Anfragen, die überhaupt nicht zu Ihnen und Ihrer Arbeit passen?

Mein Schwerpunkt liegt auf Fernreisen, Strandurlaub und Städtereisen – ich reise mit meinem Freund, einer Freundin oder allein. Ich bekomme immer mehr Anfragen, bei denen ich merke, dass sich der potenzielle Kooperationspartner meine Blogbeschreibung, die Kategorien und Artikel sowie meine Mediadaten angeschaut hat. Unpassende Einladungen zu Bloggerreisen (z. B. für Deutschland, mit Kindern oder Hund) erhalte ich immer seltener.  Ich bekomme sehr viele E-Mail-Anfragen und glücklicherweise nur wenige telefonisch – da passt bei mir der Zeitpunkt nie. Ich kann sehr schnell erkennen, ob der Kooperationspartner zu mir und meinen Themen passt und ob er mir einen Mehrwert bringt (z. B. Content für mein Blog oder Honorar für ein Advertorial).

Hat sich Ihrer Erfahrung nach die Zusammenarbeit zwischen Influencern und Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Ich habe im Laufe der drei Jahre, die ich schon auf www.travelontoast.de blogge, eine zunehmende Professionalisierung gesehen – bei den Bloggern wie auch bei den Kooperationspartnern. Ich würde sagen, dass die Kooperationspartner inzwischen ähnlich professionell mit Bloggern wie mit Journalisten umgehen. Auch mit entsprechender Wertschätzung. Neben dem Blog spielen auch die unterschiedlichen Social-Media-Kanäle eine wichtige Rolle. Meine Kooperationspartner interessieren sich vor allem für Facebook und Instagram, aber auch zunehmend für neue Kanäle wie Pinterest, Snapchat und Periscope. Alle diese Social-Media-Plattformen decke ich ab.

Haben Sie das Gefühl, dass die Unternehmen, von denen Sie kontaktiert werden, sich ausreichend mit Ihnen und Ihrem Medium auseinandergesetzt haben und wissen, was Ihre Schwerpunkte/Themen sind?

Ja, ich habe das Gefühl, wir sind auf einem guten Weg.

Wie frei fühlen Sie sich in Ihrer Berichterstattung über Unternehmen, mit denen Sie eine Kooperation eingegangen sind? Haben Sie das Gefühl, dass Sie kritisch berichten können?

Wenn ich auf eine Presse- oder Bloggerreise eingeladen werde, habe ich das gleiche Recht und die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung wie auch Journalisten. Ich suche mir jedoch vorab die Kooperationspartner sehr genau aus und nehme nur Reisen bzw. Themen an, die perfekt passen. Denn die Leser wollen natürlich Tipps bekommen, was ich empfehlen kann.

Was sind Ihrer Meinung nach die gravierendsten und häufigsten Fehler, die Unternehmen bei der Kontaktaufnahme zu Influencern machen?

Manche Ansprechpartner versuchen das klassische Vorgehen mit Journalisten 1:1 auf Blogger zu übertragen. Sprich: Ich erhalte immer noch viele Pressemitteilungen, obwohl ich nur über selbst Erlebtes schreibe. Leider sind die Programme bei Pressereisen auch häufig zu vollgestopft. Wenn ich morgens um 7 Uhr zu einer Tour aufbreche, erst um 22 Uhr wieder im Hotel bin und dazwischen für 15 Minuten Wifi habe, kann ich nicht ordentlich arbeiten. Von meinen Reisen berichte ich live über Social Media wie Facebook, Instagram, Snapchat und Periscope. Dafür brauche ich Zeit: um Fotos und kurze Videos aufzunehmen, sie zu bearbeiten und mit Text zu versehen. Und dann benötige ich eine Internetverbindung, um den Post hochzuladen. Auf meiner letzten Reise in der Karibik hatte der Veranstalter einen mobilen WLAN-Router dabei. So konnte ich von meinem Segeltörn über Periscope per Live-Video berichten und direkt Fotos auf Instagram posten.

Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit Tourismusunternehmen? Was ist verbesserungswürdig?

Die Programme bei den Blogger- und Pressereisen sollten so gestaltet sein, dass es nur wenige Programmpunkte gibt – diese sollten aber wirkliche Highlights sein. Ich kann sehr gut über Flamingos am Strand berichten, über die Begegnung mit Austernfischern oder die Fahrt mit einer alten Ente in der Provence. Das sind Geschichten, die meine Leser interessieren. Ich würde auch gerne mehr individuelle Reisen machen. Ich weiß, dass die Kooperationspartner oft schon ihre Gruppenreisen eingeplant haben. Aber ich wünsche mir etwas mehr Platz für Kreativität und das gemeinsame Entwickeln und Umsetzen von Ideen. Was ich nie verstehe: Ein Kooperationspartner lädt mich zu einer Reise ein. Ich berichte auf meinem Blog und Social Media darüber. Doch der Kooperationspartner macht nichts, um den Content für sich zu nutzen. Auch für mich wäre das ja hilfreich, um meine Reichweite zu steigern. Andere beherrschen das schon sehr gut: Einige teilen die Inhalte etwa über Facebook, über dieses Netzwerk kommen besonders viele Leser auf mein Blog. Oder sie verweisen auf ihrem Blog, ihrer Webseite oder in ihrem Newsletter auf meine Artikel. So hat die Destination Content und ich gewinne Traffic für mein Blog.

Veranstaltungshinweis

Alles Wichtige rund um das Thema Influencer Relations erfahren Sie beim Intensivkurs Tourismuskommunikation und -marketing der SCM – School for Communication and Management. Dieser findet in Form von drei Modulen vom 07.04.-09.04.2016, 19.05.-21.05.2016 und 23.06.-25.06.2016 in Berlin statt.

1 Antwort

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    Laszlo Dernovics 4. Februar 2016 (10:52)

    Ich hätte gerne auch davon gelesen, wie die Blogger den ihren eigenen Erfolg messen. Reichweite, Engagement, Anzahl der User, Klicks. Das ist nämlich die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Auftraggebern. Vielen Dank für die Antwort.

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